Was ist die Momentanreserve – und warum sie für Batteriespeichersysteme (BESS) in Deutschland relevant ist

Was ist die Momentanreserve – und warum sie für Batteriespeichersysteme (BESS) in Deutschland relevant ist
22 / 01 / 26
ArtikelMomentanreserve

Heute startet die marktbasierte Beschaffung von Momentanreserve in Deutschland – ein deutschlandweit erstmaliger Markt, der eine zusätzliche Einnahmequelle für Batteriespeichersysteme (BESS) mit netzbildenden Wechselrichtern eröffnet. In diesem Blogartikel geben wir einen kurzen Überblick darüber, was die Momentanreserve ist, warum sie relevant ist und was Anlagenbetreiber jetzt beachten sollten.

Was Sie wissen müssen

Was ist die Momentanreserve?

Um die Netzstabilität zu gewährleisten und Blackouts zu vermeiden, muss das deutsche Stromsystem die Frequenz konstant bei 50 Hz (± 0,2 Hz) halten. Weicht die Frequenz ab, greift der Regelenergiemarkt ein, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Dazu gehören unter anderem die Primärreserve (FCR) zur schnellen Stabilisierung, die automatische Sekundärreserve (aFRR) oder die manuell aktivierte Minutenreserve (mFRR). Diese Regelleistungen benötigen jedoch Zeit, um zu reagieren.[1]

Hier setzt die Momentanreserve an. Traditionell wird diese Reserve durch die Schwungmasse von rotierenden Maschinen der konventionellen Kraftwerke bereitgestellt. Diese speichern kinetische Energie, bei Frequenzänderungen geben sie diese nach Bedarf automatisch ab oder nehmen sie auf. Dadurch wird die Änderungsrate der Frequenz verlangsamt und den anderen Regelleistungen Zeit verschafft, ihre Wirkung zu entfalten.[2]

Was ändert sich?

Mit dem Rückzug fossiler Erzeugungsanlagen wie kohle- oder gasbefeuerten Kraftwerken sinkt die Systemträgheit, was die Netzstabilität gefährden kann. Der aktuelle Momentanreserve-Bedarf bis 2027 liegt bei etwa 30 GW an Batteriekapazität und wird voraussichtlich weiter steigen, wenn weitere konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen.[3]

Vor diesem Hintergrund wird in Deutschland die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve eingeführt. Sie schafft einen neuen Markt für Technologien wie Batteriespeicher (BESS) mit netzbildenden Wechselrichtern. Diese können Momentanreserve bereitstellen und das Netz stabilisieren, bis die Primärreserve (FCR) greift.

Wie funktioniert dieser neue Markt?

Die Übertragungsnetzbetreiber beschaffen Momentanreserve auf Basis eines Festpreismodells, das für Marktteilnehmer gilt, die Momentanreserve-Dienstleistungen erbringen. Die Vergütung basiert auf der Verfügbarkeit eines definierten Momentanreserve-Volumens und nicht auf der Energielieferung. Das bedeutet, dass die Zahlung nicht davon abhängt, wie oft oder wie viel Energie abgerufen wird – solange das vereinbarte MWs-Volumen für den vordefinierten Zeitraum verfügbar ist, erhalten die Anbieter die Zahlung am Ende des Abrechnungszyklus.

Diese Verfügbarkeit wird mit einer Leistungsvorhaltung bestimmt. Wird die jährliche Mindestverfügbarkeit nicht erreicht, kann die Vergütung auf null sinken. Die von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlichten Preise gelten für Angebote, die innerhalb der ersten Festpreisperiode (22. Januar 2026 bis 21. Februar 2028) abgegeben werden. Danach haben die Übertragungsnetzbetreiber die Möglichkeit, die Preise für die nächste Festpreisperiode zu überprüfen.[4]

Für Batterien stehen vier Produkte zur Qualifikation zur Verfügung. Jeder Anbieter kann sich für eine beliebige Kombination aus einem positiven und einem negativen Produkt für eine Laufzeit zwischen 2 und 10 Jahren qualifizieren. Die Übertragungsnetzbetreiber haben angekündigt, dass alle qualifizierten Angebote, die im Rahmen einer Beschaffungsperiode eingereicht werden, angenommen werden.

Ausblick und zentrale Überlegungen für BESS-Betreiber

Mit dem Start des Marktes sollten Batterieanlagenbetreiber prüfen, ob sie sich für den Momentanreserve-Markt qualifizieren möchten. Zu den aktuellen Preisen wird dies zwar nicht der Haupttreiber der Rendite sein, kann aber neben bestehenden Erträgen einen stabilen, vertraglich gesicherten Zusatznutzen bieten.

Zentrale Fragen sind unter anderem:

  • Ist meine Anlage teilnahmeberechtigt?
  • Wie viel Momentanreserve kann oder möchte ich mit meiner Anlage anbieten?
  • Möchte ich den heutigen Festpreis für bis zu 10 Jahre sichern oder eine kürzere Laufzeit wählen?

Da in dieser Woche die ersten Anlagen den Qualifikationsprozess starten, erwarten wir, dass erste Erkenntnisse schnell die Angebots- und Umsetzungsansätze prägen werden. Wir werden dieses Thema in kommenden Artikeln weiter aufgreifen – abonnieren Sie unseren Newsletter, um informiert zu bleiben.


[1] SMARD

[2] National Energy System Operator (NESO)

[3] Modo Energy

[4] Netztransparenz